Zu Besuch im Hause Steisslinger

Im August besuchte der Innerwheel Club Böblingen das Haus des Malers Fritz Steisslinger auf dem Böblinger Tannenberg. Nach dem Tode ihres Mannes Eberhard hat Federica Steisslinger, die Schwiegertochter des Künstlers, das Haus zu einem sehr persönlichen Treffpunkt für Freunde der künstlerischen Tätigkeit des Malers gemacht.

Für Steisslinger war das kleine Amtsstädtchen Böblingen weit genug von Stuttgart entfernt, um ungestört arbeiten zu können, und doch nah genug an der Landeshauptstadt, um am Kultur- und Galeriebetrieb um teilnehmen zu können. Aus diesem Wissen heraus plante Fritz Steisslinger sein Böblinger Domizil. Im Spätsommer des Jahres 1922 konnte der Künstler mit seiner Frau Elisabeth, geborene Haasis und den beiden kleinen Söhnen Eberhard und Hans – zu denen sich in Böblingen noch der kleine Werner gesellte - das auf dem Tannenberg gelegene Heim beziehen. Ein selbst entworfenes Haus, ein Gesamtkunstwerk, eine Heimat für Familie und Werk gleichermaßen. Bis heute erhalten und sorgfältig gepflegt von der Familie. Die Fertigstellung des Böblinger Hauses, die wachsende junge Familie verhelfen einer ganz neuen malerischen Seite im Werk Steisslingers zum Durchbruch. Bilder und Zeichnungen der Söhne werden realisiert. Figurengruppen entstehen. Frauenbildnisse, deren wesentliches Merkmal ihre offen zutage tretende Sinnlichkeit ist, die vom Maler mit expressiver Farbigkeit gestützt und herausgearbeitet wird. Fast immer steht ihm seine junge Frau Elisabeth Haasis Modell.

Federica Steisslinger wurde nicht müde, den Innerwheelerinnen Leben und Werk ihres Schwiegervaters nahezubringen. Den so hoffnungsvoll begonnenen Umzug der Familie nach Berlin, die Reisen nach Brasilien mit ihren vor Farbigkeit strotzenden Bildern, die Not der Kriegsjahre, die letzten Jahre des Künstlers, dessen Atelier mit allen Skizzen und Vorlagen vollständig erhalten ist. Für die Besucherinnen war der Ausflug wie ein Feuerwerk voll lustvoller Bildhaftigkeit. Für die meisten war es eine erste Bekanntschaft mit einem Maler, den sie so noch nicht gesehen hatten.

Mit einem herzlichen Dankeschön für Federica Steisslinger und die ihr assistierende Enkelin endete der Ausflug in die künstlerische Welt eines Malers der Stuttgarter Sezession.

Jutta Rebmann