Regiotreff in Esslingen am 7. Juli 2010

Nach bequemer Anreise trafen wir unsere Esslinger Gastgeberinnen und Freundinnen aus Stuttgart, Reutlingen-Tübingen, Necker-Teck und Heilbronn (!) auf dem farbenprächtigen Mittwochsmarkt.

Hier erwartete uns auch unsere ebenso hübsche wie kompetente Stadtführerin. Sie führte uns über den Marktplatz, gesäumt von prächtigen Fachwerkbauten, der naheliegenden Stadtkirche St. Dionys, einem veritablen Stadtpalais derer von Palm, heute das neue Rathaus und, ganz besonders schön, das alte Rathaus, etwas abseits am ehemaligen Markt. Früher bot es in seinem Parterre vielen Händlern Raum, die Wände waren offen nach außen, der Handel somit ungebremst.

Unser Gang führte uns über die Innere Neckarbrücke zur Maille, der grünen Stadtoase und vorbei an einigen der vielen Pfleghöfe. Das sind keine Spitäler sondern Niederlassungen von Klöstern aus der weiteren Umgebung. Schließlich war Esslingen Reichsstadt, d.h. sie war nur dem Kaiser unterstellt und konnte so ungehindert prosperieren und der Klerus hatte ja schon immer ein feines Näschen!

Dann durften wir St. Dionys, die älteste Kirche und heute Stadtkirche durch die Geschichte begleiten. Von außen fällt auf, dass sie nicht nur zwei Türme hat, sondern auch einen luftigen Verbindungsgang dazwischen aufweist. Er ist Umbauung einer Querverstrebung, die man im 16. Jh. anbringen musste. Durch Bodensenkung drohten die Türme sich zuzuneigen! Auch die mächtigen, aufgedickten Strebepfeiler am Kirchenschiff erzählen davon.

Innen durften wir eine gotische Basilika mit drei Schiffen und wunderschönen Fenstern, z.T. noch aus dem 13. Jh., bestaunen. Aber: Spätromanische Säulen geben Zeugnis von einer langen Vergangenheit. Sie begann im 8. Jh., als Cella, d.h. einer einschiffigen kleinen Kapelle und wuchs in weiteren Stufen bis zu ihrer heutigen eindrucksvollen Schönheit.

Woher man das weiß? Bei der Planung einer Kirchenheizung wurde beim Untergraben der Kirche ihre gesamte Baugeschichte freigelegt, bis hin zu ihren Ursprüngen, darunter auch ein Friedhof. Wir konnten am Ausmaß der Fundamente für Wände und Säulen nicht nur die ungeheure Mächtigkeit des Gebäudes empfinden, sondern auch seine Epochen. Zur ersten Stützung benutze man noch unbehauene Steinbrocken, irgendwie passend aufeinander getürmt, nur gehalten von lockerer Betoneinstreuung nach Art der Römer. In der Stauferzeit begann man die Kirche mit großen behauenen Quadern zu stützen.

Nebenbei, diese Heizung wurde nie gebaut!

So voll von Eindrücken erwanderten wir die Burg, ein Teil der ehemaligen Stadtbefestigung und speisten vor herrlichem Ausblick unter den alten Bäumen des Burghofs. Nun flossen die Gespräche nur so dahin! Genau wiedie Zeit und wir hätten noch lange weiter erzählt - MITEINANDER -. Aber es wartete noch ein Highlight auf uns.

Wir wanderten zum Salemer Pfleghof. 1229 erstmals urkundlich erwähnt, gehörte er zum Zisterzienserkloster Salem und gibt nun der Bibliothek und dem J.F.Schreiber-Museum einen würdigen Rahmen. J.F.Schreiber gründete Mitte des 19. Jh. eine Druckerei. Auch wir kennen z.T. noch seine bekannten Kinderbücher, z.B. die Geschichten von den „Wurzelkindern“ und viele andere mehr. Eine schöne Besonderheit stammt ebenfalls aus diesem Verlag. Die Papierbastelbögen von berühmten Bauwerken, die, ausgeschnitten und dreidimensional zusammengeklebt, berühmte Architektur zeigen. In Glasvitrinen ausgestellt, konnten wir z.B. die sieben Weltwunder, das Weiße Haus und die Oper von Sydney bewundern. Für die Buchillustrationen war J.F.Schreiber der erste, der Lithographien verwendete! Einige Lithos (= Stein) waren noch zu bewundern.

Das Ende dieses schönen Tages konnten wir Herrenberger Freundinnen nicht ganz erleben. Ein Notruf aus Kuppingen rief Ev schnellstmöglich zurück. Felix stand ratlos vor Hugos Übelkeit und anderem Missgeschick! „Zügig“ fuhren wir gemeinsam zurück, der Tierarzt war alarmiert und – auch Mo Lu streckte mir mit großen Augen ein dick verbundenes Pfötchen entgegen. Ein Dorn oder Ähnliches wurde da zum behandlungswürdigen Verhängnis.

Wir danken den Esslinger Freundinnen für einen wunderschönen gesprächs- und inhaltsreichen Tag - MITEINANDER -. Die Stuttgarter Damen waren so begeistert, dass sie sich gleich bereit erklärten, das nächste Regiotreffen auszurichten.

Danke dafür!

Eine begeisterte Ingeborg M-L